Japan - Trends und Perspektiven

Seit dem Antritt der Regierung Abe hat sich die Wahrnehmung Japans in Deutschland spürbar verändert. Deutsche Unternehmen beginnen sich wieder für Japan als Markt und/ oder Standort zu interessieren - Dank eines riesigen finanzpolitischen Versuchs der japanischen Regierung - den "Abenomics".

Es ist nicht übertrieben festzustellen, dass Japan zwei Jahrzehnte aus dem deutschen Blickfeld nahezu verschwunden ist. Zum Pauschalurteil „schwierig“ gesellte sich ein Bild, dass ein Land voller Probleme zeigte. Und so viel war ja richtig: Die japanische Wirtschaft stand vor großen Problemen, die Gesellschaft erwies sich als hartnäckig verschlossen, und die Politik schien dem drohenden Zurückfallen Japans in der Konkurrenz der Staaten tatenlos zuzusehen.

Wichtiger noch aus Sicht der interessierten deutschen Unternehmerschaft war, dass mit China ein Betätigungsfeld zur Verfügung stand, das alles bisher Gekannte in den Schatten stellte. Es ist sehr ratsam, sich davon nicht den Blick darauf verstellen zu lassen, was eben nicht erst seit „Abenomics“ in der japanischen Unternehmens-
welt passiert. Konfrontiert mit einer abnehmenden Bevölkerung, also einer Situation, in der nicht durch mehr Arbeitskräfte und mehr Konsumenten quasi automatisch ein Mehr an Wirtschaftsleistung zustande kommt, besteht ein über das Normalmaß hinausgehender Stachel zur Erhöhung der Produktivität. Das ist flächendeckend durchaus gelungen.

Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner im arbeitsfähigen Alter liegt auch in den vermeintlich verlorenen Dekaden auf deutschem Niveau und übersteigt dasjenige der USA und Rest-Europas deutlich. Japans Industrie hat es dabei nicht bewenden lassen. Ausgestattet mit erheblichen Kassenbeständen hat man konsequent Investitionen in ausländischen Märkten getätigt. Und hier hat es einen häufig von deutschen Augen verpassten Wandel gegeben. Europa, das in naher Zukunft vor ganz ähnlichen Problemen z.B. in Sachen Demographie wie Japan steht, ist für die japanische Industrie deutlich hinter die Länder der ASEAN-Gruppe zurückgefallen. Dies lässt sich z.B. daran bebildern, dass Japans Außenwirtschaftsagentur JETRO in den letzten Jahren 11 Büros in Europa geschlossen und 12 in ASEAN eröffnet hat.

Und auch diese Zahl ist eindrucksvoll: Japans Unternehmen investieren in ASEAN mehr als alle EU-Unternehmen; und doppelt so viel wie chinesische. Für die deutsche Industrie bedeutsam ist in diesem Zusammenhang, dass diesen Weg insbesondere die japanischen Großunternehmen gegangen sind. Überraschend häufig haben deren japanische Zulieferer aus dem mittleren und kleinen Segment diesen Schritt nicht (mit)gemacht. Und die japanischen Tochtergesellschaften im Ausland sind darüber hinaus längst nicht so beziehungstreu ihren angestammten japanischen Zulieferern und Partnern gegenüber wie es häufig kolportiert wird. Man sieht sich nach geeigneten Partnern um.

Dies ist eine Chance für deutsche Unternehmen. Es ist allerdings von erheblichem Vorteil, wenn man bereits einen handfesten Bezug zu Japan hat und dies nachweisen kann. Das gilt einmal im Hinblick auf die notwendige Kenntnis der japanischen Geschäftsusancen und zum anderen schafft es Vertrauen; ein immer noch nicht hoch genug zu bewertendes Gut. Hat man beides nicht „im Hause“ empfiehlt es sich dringend, hierfür Partner zu suchen. Das oben Gesagte gilt weiterhin und verstärkt für eine Betätigung im Markt Japan selbst. Hinzu tritt häufig eine Sprachbarriere, denn auch im Jahre 2015 und 5 Jahre vor den Olympischen Spielen in Tokyo ist man bis in die höchsten Stellen in Japan erstaunlich rat- und fantasielos, wie man die Japaner für die englische Sprache begeistert.

Die Aussichten für ein Anziehen der Investitionen in Maschinen in Japan verbessern sich derweil. Dies auch deshalb, weil die seit Jahren steigende Nutzungsdauer der Maschinen in vielen japanischen Fabriken ein deutlicher Hinweis auf einen Investitionsstau ist. Allerdings sollte man bereit und in der Lage sein, die technischen Spezi-
fikationen auf die Kundenwünsche anzupassen. Zudem besteht auf japanischer Seite weiterhin die Neigung in technische Verbesserungen bestehender (Alt)Anlagen zu investieren anstatt in Neuanlagen. Und im Falle etwaiger technischer Probleme bei den gelieferten Maschinen und Anlagen sollte man einer weiteren Besonderheit in den japanischen Betrieben ausreichend Beachtung schenken: Es geht nicht nur darum das technische Problem zu beheben, sondern dem Kunden den Grund für die Probleme und den Lösungsansatz vorbehaltlos und vollumfänglich zu nennen, damit er weiterhin aus tiefer Überzeugung und mit gutem Gefühl die Partnerschaft mit Leben erfüllt.

Die Fa. ILLIES in Japan begleitet die oben erwähnten Entwicklungen seit langem. Als sehr hilfreich angesichts der japanischen Auslandsinvestitionen in ASEAN hat sich das ILLIES Netzwerk erwiesen. Aber, und auch dies sei abschließend gerade gerückt, die Investitionen in Japan selbst sind von überragender Bedeutung. Japan ist keineswegs eine Volkswirtschaft im Zustand der Desinvestition. Hier findet Geschäft statt. Und wenn man sich durch Verlässlichkeit auszeichnet und vom Willen zu gemeinsamen Lösungen leiten lässt, dann wird man mit japanischen Kunden dauerhafte Beziehungen entwickeln.

Dr. Frank Oberndorff

Dr. Frank Oberndorff ist Executive Vice President Sales der ILLIES Gruppe und leitet seit April 2013 die Geschäfte der K.K. Irisu. C. ILLIES & Co. mit Hauptsitz in Hamburg blickt auf eine 156-jährige Geschichte in Japan zurück und ist damit das älteste ausländische Handelshaus in Japan.