Wirtschaftshandbuch

Myanmar-Artikel von Lukas Brandau

Offizielle Staatsbezeichnung Republik der Union Myanmar
Staatsform Präsidialrepublik
Staatsoberhaupt Htin Kyaw (seit März 2016)
Regierungschef Präsident Htin Kyaw
Superministerin Aung San Suu Kyi (Ministerin im Präsidentenbüro, Bildung, Energie, Äußeres)
Wirtschaftsressorts Khin Maung Cho (Industrie), Than Myint (Handel), Kyaw Win (Planung und Finanzen), Thant Sin Maung (Transport und Komm-unikation)
Sprachen Landessprachen: Birmanisch, Kachin, Kayah, Karen, Chin, Mon Rakhine, Shan etc.; Handelssprache: Englisch
Analphabetenrate 7% (2016, Weltbank)
Maße und Gewichte Metrisches System sowie traditionelle Einheiten (z.B. 1 Viss = 1,65 kg)
Währung 1 Kyat (MMK) = 100 Pyas (P)
Haushaltsjahr 1. April bis 31. März
Zeitverschiebung MEZ +5,5 / MESZ +4,5
Landfläche 676.590 qkm (2016, Weltbank)
Einwohnerzahl 51,5 Mio. (2014, offizieller Zensus)
Bevölkerungsdichte 76 Einwohner/qkm (2014, offizieller Zensus)
Bevölkerungswachstum 0,9% (2016, Weltbank)
Religionsgruppen 88% Buddhisten, 6% Christen, 4% Muslime, 2% Andere (2015, offizieller Zensus)
Ethnische Zusammensetzung Bamar 68%, Shan 9%, Kayin (Karen) 7%, andere: Chin, Mon, Kachin, Kayah, Rakhine (2016)
Hauptstadt Nay Pyi Taw, 1,1 Mio. (2014)
Wichtige Städte Yangon 5,2 Mio., Mandalay 2,1 Mio. (2014)
Wichtige Feiertage 4. Januar (Unabhängigkeitstag), 12. Februar (Tag der Einheit)
Entstehung des BIP Agrarwirtschaft 26,7%, Industrie 34,5%, Dienstleistungen 38,7% (ADB, 2015)
Verwendung des BIP Privat- und Staatsverbrauch 68,2%, Bruttoanlageninvestitionen 34,9%, Außenbeitrag -10,5%, Statistische Abweichungen 7,4% (ADB, 2015)
Wichtige mineralische und fossile Rohstoffe Erdgas: 13,1 Mrd. cbm (2013, BP), Erdöl: 0.87 Mio. t, Kohle: 380.272 t, Gips: 60.510 t, Zinnkonzentrate: 45.200 t,Jade 12.768 t, Rubine: 395.711 t. Karat, Saphir: 1,1 Mio. Karat (2013, USGS)
Wichtige Agrarerzeugnisse Reis (Roh): 28 Mio. t, Zuckerrohr: 9,9 Mio. t, Bohnen 3,8 Mio. t, Mais 1,7 Mio. t, Zwiebeln 1,1 Mio (2012, FAO), Erdnüsse 1,4 Mio. t Fisch: 4,7 Mio. t (2013, FAO)
Wichtige Industriezweige Agrar-, Holz-, Bekleidungs-, Baustoffindustrie, Bergbau, Tourismus
Elektrizitätserzeugung 15.970 GWh (2015), 59% Hydro, 39% Gas, 2% Kohle
Handelsabkommen in Kraft AANZFTA, AFTA, ASEAN, ASEAN-China, ASEAN-India, ASEAN-Japan, ASEAN-Korea, BIMSTEC, GSTP
Internationale Organisationen ASEAN, IWF,UN, WTO

+ Der Negativtrend von 2016 wird durch das neue Investitionsgesetz und einen neuen politischen Realismus beendet. Es folgen steigende Investitionen und ein solides wirtschaftliches Wachstum

+ Die Liberalisierung des Finanzsektors schreitet weiter fort voran

– Marode Infrastruktur und fehlende Investitionen in Bildung und Gesundheit begrenzen das vorhandene Entwicklungspotential

– Der nationale Friedensprozess ist ins Stocken geraten. Die Spannungen mit Minderheiten in Nord und West nehmen zu

+ Der verarbeitende Sektor profitiert von der Investitionspolitik der Regierung und verzeichnet weiterhin ein starkes Wachstum

+ Myanmar steht an der Schwelle zu einem middle-income Country

– Der Agrarsektor bleibt weiterhin das Sorgenkind der myanmarischen Wirtschaft

– Soziale Spannungen nehmen zu und führen zu tiefgehenden Zerwürfnissen

Politischer Überblick

Die historische Machtübernahme durch die National League for Democracy (NLD), die sich Anfang April 2017 erstmalig jährte, markierte vorerst den Höhepunkt einer friedlichen Machtverlagerung vom Militär in die Hände von Daw Aung San Suu Kyi, die als Demokratie-Ikone mehrere Jahre unter Hausarrest und starken Repressionen zu leiden hatte. Zwar sicherte sich das Militär durch qua Verfassung garantierte 25 Prozent der Parlamentssitze und die Kontrolle des Innenministeriums, des Verteidigungsministeriums und des Ministeriums für Grenzangelegenheiten eine solide Machtbasis, die im Prozess der politischen und wirtschaftlichen Öffnung aber nicht ausschließlich negativ bewertet werden kann. Als Garant der nationalen Sicherheit und für den Zusammenhalt der Nation übernimmt das Militär auch weiterhin eine tragende Rolle in der weiteren Entwicklung des Landes.

Der Demokratisierungsprozess wurde sowohl von den USA als auch von der Europäischen Union als Weg in die richtige Richtung verstanden und mit der Aussetzung wirtschaftsbezogener Sanktionen belohnt. An die Stelle wirtschaftlicher Utopien ist mittlerweile ein neuer Realismus gerückt, in dem Myanmar weiterhin als Land mit großem Potential, aber auch mit zahlreichen Barrieren und Fallstricken gesehen wird.

Der neue Realismus findet sich dabei auch nicht nur auf den Seiten ausländischer Investoren und Geschäftsleute wieder, sondern auch bei der lokalen Bevölkerung. Zum einen werden der Klärung politischer Fragestellungen, wie dem nationalen Friedensabkommen oder dem Verhältnis zu den asiatischen Nachbarn, größte Priorität eingeräumt. Zum anderen ist die Ernüchterung über fehlende große westliche Investitionen nach der Aufhebung der Sanktionsbeschränkungen groß.

Anstoß für Kritik bietet seit der Regierungsübernahme durch die NLD deren Personalpolitik. Langjährige Mitstreiter für ein demokratisches Myanmar fanden ebenso wenig Berücksichtigung im aktuellen Kabinett wie angesehene Persönlichkeiten ethnischer Minderheiten. Es wurde auch nicht auf die Erfahrungen einflussreicher Parlamentarier zurückgegriffen, die bereits unter der semi-demokratischen Vorgängerregierung wichtige Entscheidungen angestoßen hatten. Zurückzuführen sind die Zerwürfnisse innerhalb der demokratischen Bewegung auf die personifizierten Strukturen zugunsten Aung San Suu Kyis, die schnelle und unabhängige Entscheidungen behindern.

Ohne die Billigung Aung San Suu Kyis sind der Gesetzgebung die Hände gebunden. Bedingt durch die Verfassung ist ihr zurzeit das Präsidentenamt verwehrt. Sie verfügt durch Ihre Funktion als offizielle Beraterin der Regierung, Bildungs- und Außenministerin, Ministerin für Elektrizität und Energie und als Ministerin im Präsidentenbüro aber dennoch über Einfluss, der weit über das Maß anderer Regierungsmitglieder hinausgeht. Die Balance zwischen demokratischer Regierung, einer wachsenden Zivilgesellschaft und immer noch einflussreichen Militärs zu bewerkstelligen, kann durchaus als Erfolg gesehen werden. Allerdings hat auch Aung San Suu Kyi kein Interesse die existierenden Privilegien der ethnischen Burmesen in dem Vielvölkerstaat zu beschneiden. Kritik von Seiten der Regierung am harten Vorgehen der Staatsmacht gegenüber ethnischen Gruppen im Kachin und nördlichen Shan-Staat fehlt ebenso wie ein beherztes Auftreten gegen die Diskriminierung der muslimischen Rohingya an der Grenze zu Bangladesch.

Deutliche Verluste musste die NLD bei den Nachwahlen im April 2017 hinnehmen. Vor allem in den Regionen ethnischer Minderheiten konnte sie keine Sitze gewinnen. Die erkennbaren Konflikte sind für die NLD aber kein Grund ...

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