„Für Deutschland ist der Wertepartner Japan wichtiger denn je!“


Frau Schmitz, Sie haben im letzten Jahr Ihr Amt als Generalsekretärin des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin (JDZB) angetreten. Die deutsch-japanischen Beziehungen entwickeln sich mit Inkrafttreten des Handelsabkommens dynamisch wie lange nicht. Welche Themen stehen in nächster Zeit im Mittelpunkt Ihrer Agenda?

Claudia Schmitz: Die Entwicklungen im internationalen Umfeld, insbesondere die Infragestellung einer regelbasierten Weltordnung und Skepsis gegenüber multilateralen Strukturen, haben in der Tat die Partnerschaft zwischen Deutschland und Japan ganz neu in den Fokus gerückt. Für Deutschland ist der Wertepartner Japan in der Region Asien wichtiger denn je. Hoch auf unserer Agenda stehen daher Themen zu aktuellen Herausforderungen, die nicht national, sondern nur in internationaler Zusammenarbeit gelöst werden können, wie etwa Fragen zu Digitalisierung und Künstlicher Intelligenz, Nachhaltigkeit oder Energiesicherheit. Daneben widmen wir uns auch weiter unseren „Dauerbrennern“, wie zum Beispiel dem demografischen Wandel. 

Jenseits der hohen Politik stehen wichtige Ereignisse an: 2019 das 25. Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio sowie 2020 die Olympischen und Paralympischen Spiele in Tokio. Was bedeuten diese Ereignisse für die Arbeit des JDZB?

Claudia Schmitz:
Wir greifen aktuelle Anlässe gerne auf, um Themen im Rahmen unserer Veranstaltungsformate zu bearbeiten. Zwei Beispiele: Im unmittelbaren Vorfeld des diesjährigen G20-Gipfels in Osaka veranstaltete das JDZB in Berlin eine Konferenz zu „KI und Innovation“. Im Zusammenhang mit dem 25. Jubiläum der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio sowie den Olympischen und Paralympischen Spielen ist im Herbst eine Konferenz zu einem städtebaulichen Thema in Planung.

Wie kann es gelingen, auch die jüngere Generation in Deutschland und in Japan für das jeweils andere Land nachhaltig zu interessieren? Was tut das JDZB in diesem Bereich?

Claudia Schmitz:
Während innerhalb Europas Mobilität und Reisen in Nachbarländer Normalität geworden sind, bleibt zwischen Deutschland und Japan aufgrund der geografischen Entfernung und der Sprachbarrieren die Schwelle höher. Seit wir mit einem eigenen Auftritt auf Facebook präsent sind, gewinnen wir über soziale Medien vor allem für kulturelle Veranstaltungen zunehmend auch jüngeres Publikum. Schon seit Jahren führen wir außerdem spezialisierte Austauschprogramme für junge Erwachsene und Schüler durch. Ein ganz besonderes Programm ist das „German-Japanese Young Leaders Forum“ (YLF), das sich unter anderem an Nachwuchs- Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Medien aus beiden Ländern richtet. Hieraus ist eine sehr aktive Alumni-Vereinigung entstanden, die dazu beiträgt, ein weitreichendes und tragfähiges Netzwerk zwischen deutschen und japanischen Führungskräften zu schaffen.


Claudia Schmitz

Claudia Schmitz ist seit dem 1. August 2018 Generalsekretärin des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin.