Wirtschaftshandbuch

Bangladesch-Artikel von Dr. Doris Hillger

Offizielle Staatsbezeichnung Volksrepublik Bangladesch
Staatsform Parlamentarische Demokratie
Staatsoberhaupt Präsident Md. Abdul Hamid (seit April 2013)
Regierungschef Premierministerin Sheikh Hasina (seit Januar 2009)
Wirtschaftsressorts Abul Maal Abdul Muhith (Finanzen), Amir Hossain Amu (Industrie), Tofail Ahmed (Handel)
Sprachen Landessprache: Bengali, Handelssprache: Englisch
Analphabetenrate 38,5% (M: 35,4%, W: 41,7%) (2015, UNESCO)
Maße und Gewichte Metrische Maße und Gewichte
Währung Taka (1 BDT = 100 Poisha)
Haushaltsjahr 1. Juli bis 30. Juni
Zeitverschiebung MEZ +5 / MESZ +4
Landfläche 130.170 qkm (2016, Weltbank)
Einwohnerzahl 163,0 Mio. (2016, Weltbank)
Bevölkerungsdichte 1.252 Einwohner/qkm (2016, Weltbank)
Bevölkerungswachstum 1,1% (2016, Weltbank)
Religionsgruppen Muslime 89,2%, Hindus 9,9%, andere 0,9% (2014)
Ethnische Zusammensetzung fast ausschließlich Bengalen, andere ethnische Gruppen v.a. in den Chittagong Hill Tracts, sog. Biharis (nach Unabhängigkeit von Britisch Indien vorn. aus dem östl. Teil zugewanderte indisch-stämmige Muslime)
Hauptstadt Dhaka (12,0 Mio.) (2011, Zensus)
Wichtige Städte Chittagong (7,5 Mio.), Sylhet (3,4 Mio.), Rangpur (2,9 Mio.), Rajshahi (2,6 Mio.), Khulna (2,3 Mio.), Barisal (2,3 Mio.) (2011, Zensus)
Entstehung des BIP Primärsektor 15,5%, Sekundärsektor 28,2%, Tertiärsektor 56,4% (2015, ADB)
Verwendung des BIP Privater Verbrauch 72,4%, staatlicher Verbrauch 5,4%, Bruttoanlageinvestitionen 28,9%, Außenbeitrag -7,5%, statistische Abweichung 0,7% (2015, ADB)
Wichtige fossile und
mineralische Rohstoffe Erdöl: 0,48 Mio. t, Erdgas: 25,3 Mrd. bcm, Kohle: 0,96 Mio. t (2015, ADB); Granit: 0,3 Mio. t (2013, USGS)
Wichtige Agrarerzeugnisse Reis, geschält: 34,6 Mio. t, Weizen: 1,28 Mio. t (2016/2017, USDA); Kartoffeln: 9,0 Mio. t, Zuckerrohr: 4,5 Mio. t, Mais: 2,1 Mio. t, Jute: 1,3 Mio. t, Zwiebeln: 1,4 Mio. t, Mangos: 1,0 Mio. t, Bananen: 0,8 Mio. t (2014, FAO)
Wichtige Industriezweige Textilien und Lederwaren, Nahrungsmittelverarbeitung, pharmazeutische Produkte, chemische Düngemittel, Jutegarne und Jutewaren, Schiffbau
Elektrizitätserzeugung 40,4 Mrd. kWh (2015, ADB); Gas (62,0%), Öl (22,0%), Diesel (7,8%), Importierte Energie (4,6%), Kohle (1,9%), Wasserkraft (1,8%) (2017)
Wirtschaftsabkommen mit Deutschland Doppelbesteuerungsabkommen (1993), Investitionsförderungs- und -schutzvertrag (1986), Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen (1986)
Handelsabkommen in Kraft APTA, SAFTA
Internationale Organisationen UN, WTO, BIMSTEC, SAARC

Konstant hohes Wirtschaftswachstum um die 7% bei stabiler makroökonomischer Entwicklung

+ Innenpolitische Stabilisierung durch Konsolidierung der Machtbasis der Awami League

 Erosion der Rechtstaatlichkeit und repressives Vorgehen gegen unabhängige
Berichterstattung und Gewerkschaften

– Zunehmend konservative Auslegung des Islam und Anstieg islamistischer Anschläge

– Weiter abnehmende Leistung der öffentlichen Hand bei der Umsetzung der Jahresentwicklungsvorgaben und der Mehrwertsteuerreform

+ Beschleunigung wichtiger Infrastrukturprojekte im Vorfeld der Parlamentswahlen voraussichtlich Ende 2018

+ Weitere Vertiefung der Wertschöpfung in wichtigen Exportsektoren (Textil, Leder)

 Anstieg der Inflation durch steigende Öl- und Rohstoffpreise und Druck auf die Konsumentenpreise durch Subventionsabbau

– Gefahr erneuter innenpolitischer Konflikte im Vorfeld der Parlamentswahlen voraussichtlich Ende 2018

Politischer Überblick

Die Regierungskoalition aus der Awami League (AL) und 18 kleinen Parteien unter Führung von Premierministerin Sheikh Hasina Wajed hat ihre Machtbasis weiter ausgebaut. Die größten Oppositionsparteien, die Bangladesh National Party (BNP) unter Khaleda Zia und die Jamaat-e-Islami (JeI), sind aufgrund ihres Boykotts der letzten Parlamentswahlen seit 2014 nicht mehr im Parlament vertreten, ihre Führung ist mit den Mitteln des Justizapparats praktisch ausgeschaltet worden. Die Unabhängigkeit des Obersten Gerichts, die Freiheit der Medien und der Spielraum ausländischer Nichtregierungsorganisationen sind weiterhin eingeschränkt. Im März 2017 sorgte ein Streik der Textilarbeiter im Industriegürtel um die Hauptstadt Dhaka für Unruhe, in dessen Folge über 1.000 Arbeiter und Arbeiterinnen entlassen und Gewerkschaftsführer inhaftiert wurden. Der mangelnde Schutz der Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit wurde international kritisiert.

Weitaus beunruhigender sind der zunehmende Einfluss wahabitischer Gruppen, die eine arabisch-orthodoxe Auslegung des Islam im traditionell liberalen Bangladesch propagieren, und die wachsende Zahl islamistischer Terroranschläge. Die Haltung der Regierung ist inkohärent, einerseits gehen Militär und Geheimdienste hart gegen islamistische Gruppen vor, andererseits genehmigte die Premierministerin im April 2017 ein von Saudi-Arabien mit einer Milliarde US-Dollar finanziertes Projekt zum Bau von 560 Moscheen. Die Aufweichung des Heiratsalters für Mädchen von 18 Jahren und die Islamisierung von Schulbüchern deuten auf eine zunehmend konservativ-arabische Auslegung des Islam hin. Analog dazu steigt die Zahl der islamistisch motivierten Gewalttaten, ein Selbstmordanschlag im Dezember 2016 in Dhaka markiert eine neue Qualität islamistischen Terrors in Bangladesch.

Außenpolitisch orientiert sich Bangladesch weiterhin an seinen unmittelbaren asiatischen Nachbarn. Die wichtigsten Partner sind China, Indien und Japan. Die Wirtschafts- und Investitionsbeziehungen zu China sind weiterhin eng, im Oktober 2016 unterzeichneten die Premierministerin und der chinesische Präsident Xi Jinping ein Investitionsabkommen über ein Volumen von 13,6 Milliarden US-Dollar für Infrastrukturprojekte. Auch die Beziehungen zu Indien werden weiter vertieft. Bei dem Besuch der Premierministerin in Neu Delhi im April 2017 wurden indische Investitionen in den Bereichen Energieversorgung, Gesundheit, Bildung und Forschung in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar sowie eine neue Kreditlinie für Infrastruktur in derselben Höhe vereinbart. Die Europäische Union (EU) ist für Bangladesch als wichtigster Handelspartner ebenfalls von großer Bedeutung, Premierministerin Hasina reiste im Februar 2017 zur Münchner Sicherheitskonferenz und traf dort auch die Bundeskanzlerin. Die EU betrachtet allerdings die innenpolitischen Entwicklungen mit Sorge und erwägt, zu den kommenden Parlamentswahlen Ende 2018 Beobachter zu schicken.