Wirtschaftshandbuch

Indien-Artikel Prof. Dr. Beate Bergé

Offizielle Staatsbezeichnung Indien
Staatsform Föderative Republik
Staatsoberhaupt Präsident Ram Nath Kovind (seit Juli 2017)
Regierungschef Premierminister Narendra Modi (seit Mai 2014)
Wirtschaftsressorts Nirmala Sitharaman (Handel und Industrie), Arun Jaitley (Finanzen)
Sprachen 22 Amtssprachen, v.a. Hindi, Marathi, Bengali, Telugu, Handelssprache: Englisch
Analphabetenrate 27,8% (M: 19,1%, W: 37,0%) (2015, UNESCO)
Maße und Gewichte Metrisches System
Währung Indische Rupie (INR) (1 INR = 100 Paise)
Haushaltsjahr 1. April bis 31. März
Zeitverschiebung MEZ +4,5 / MESZ +3,5
Landfläche 2.973.190 qkm (2016, Weltbank)
Einwohnerzahl 1,32 Mrd. (2016, Weltbank)
Bevölkerungsdichte 445 Einwohner/qkm (2016, Weltbank)
Bevölkerungswachstum 1,1% (2016, Weltbank)
Religionsgruppen Hindus 79,8%, Muslime 14,2%, Christen 2,3%, Sikhs 1,7%, sonstige 2,0% (2011, Zensus)
Ethnische Zusammensetzung fast ausschließlich Indoarier und Draviden
Hauptstadt Neu Delhi (16,3 Mio.) (2011, Zensus)
Wichtige Städte Mumbai (18,4 Mio.), Kolkata (14,1 Mio.), Chennai (8,7 Mio.), Bengaluru (8,5 Mio.), Hyderabad (7,8 Mio.), Ahmadabad (6,4 Mio.), Pune (5,0 Mio.) (2011, Zensus)
Wichtige Feiertage 26. Januar (Tag der Republik), 15. August (Unabhängigkeitstag), hinduistische, islamische und christliche Feiertage (wechselnde Daten nach dem Mondkalender)
Entstehung des BIP Primärsektor 17,0%, Sekundärsektor 29,7%, Tertiärsektor 53,2% (2015, ADB)
Verwendung des BIP Privater Verbrauch 59,5%, Staatsverbrauch 10,6% , Bruttoanlageinvestitionen 34,2% , Außenbeitrag -2,6%, statistische Abweichung 0,1% (2014 und 2015, ADB)
Wichtige fossile und mineralische Rohstoffe Erdöl: 37,5 Mio. t, Erdgas: 33,7 Mrd. cbm, Kohle: 612,4 Mio. t (2014, ADB); Eisenerz: 117 Mio. t, Bauxit: 15,4 Mio. t (2013, USGS)
Wichtige Agrarerzeugnisse Reis geschält: 106,5 Mio. t, Weizen: 87,0 Mio. t (2016/2017, USDA); Zuckerrohr: 352,1 Mio. t, Kartoffeln: 46,4 Mio. t, Mais: 23,7 Mio. t (2014, FAO)
Wichtige Industriezweige Fertigstahl, Kfz und -zulieferer, Maschinenbau, Textilien, Chemie, Nahrungsmittelverarbeitung, Software Elektrizitätserzeugung 329,2 GW Kapazität; Kohle 58,8%, Wasserkraft 13,6%, Erneuerbare Energien 17,7%, Erdgas 7,6%, Nuklear 2,1%, Erdöl 0,3% (Stand: August 2017)
Wirtschaftsabkommen mit Deutschland Abkommen über Sozialversicherung (2008), Investitionsförderungs- und -schutzvertrag (1998) wurde von Indien gekündigt und tritt 2017 außer Kraft, Doppelbesteuerungsabkommen (1996, revidierte Version seit 1997)
Handelsabkommen in Kraft APTA, ASEAN, MERCOSUR, SAFTA, Afghanistan, Bhutan, Chile, Japan, Korea Republik, Malaysia, Nepal, Singapur, Sri Lanka
Internationale Organisationen UN, WTO, Commonwealth, BIMSTEC, SAARC

+  Politische Unterstützung des Reformkurses von Modi

+  Wirtschaftliche Erholung nach der Bargeldreform und somit weiterhin hohes Wirtschaftswachstum von um die 7% getragen durch steigende private Konsumnachfrage sowie staatliche und anziehende private Investitionstätigkeit, besonders im Infrastrukturbereich

+  Hohe und steigende Zuflüsse an ausländischen Direktinvestitionen bei verbesserten Rahmenbedingungen

+ Weiterer Abbau von Infrastrukturdefiziten

+/– Geringe Inflationsrisiken, Unsicherheit über die Preiswirkungen der Goods
and Services Tax

– Schwache private Investitionstätigkeit, rückläufige Nachfrage nach Bankkrediten von Industrieunternehmen aufgrund hoher Fremdfinanzierungskosten im Vergleich zur Ausgabe von Anleihen

– Verunsicherung von Investoren infolge zunehmender Grenzstreitigkeiten mit Pakistan und China

– Unsicherheit über die Entwicklung sozialer und innenpolitischer Spannungen und Widerstände infolge der hindunationalistischen Strömungen

+ Konsequente Fortführung des wirtschaftsfreundlichen Modernisierungskurses und Anziehen des Wirtschaftswachstums mit vergleichsweise geringem Inflationsdruck

+ Umsetzung wichtiger Reformschritte und weitere Öffnung für ausländische Investoren im Zuge der „Make in India-Kampagne“ mit breiter politischer Unterstützung

+ Zunahme der ausländischen Direktinvestitionen und Erhöhung der Investitionstätigkeit, vor allem im Infrastrukturausbau, trotz skeptischer Grundstimmung vieler Investoren

– Geringe Wachstumsimpulse durch den Außenhandel infolge des schwierigeren Zugangs zu wichtigen Exportmärkten und Aufwertungsdrucks

– Anhaltend hohe innenpolitische Spannungen infolge hindunationalistischer Strömungen sowie weiterer Polarisierung der Einkommen

Politischer Überblick

Der seit Mai 2014 amtierende Premierminister Narendra Modi setzte im vergangenen Haushaltsjahr (2016/2017) trotz innenpolitischer Widerstände zwei durchgreifende Reformen um. Die im August 2016 beschlossene einheitliche indienweite Mehrwertsteuer wurde zum 1. Juli 2017 eingeführt und somit ein Schritt zur weiteren Vereinheitlichung des indischen Binnenmarktes unternommen. Die am 8. November 2016 überraschend eingeleitete Bargeldreform gilt als weiterer beachtenswerter Meilenstein auf dem Weg zu einer bargeldlosen, weniger korruptionsanfälligen Wirtschaft.

Trotz der Wachstumseinbußen und der gesellschaftlichen Unruhen infolge dieser unkonventionellen Demonetisierungsmaßnahme hat die Modi-Regierung die schlecht vorbereitete und sozial unausgewogene Bargeldreform politisch unbeschadet überstanden.
Bei den Regionalwahlen Anfang 2017....

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