Wirtschaftshandbuch

Singapur-Artikel von Stephan Giersdorf

Offizielle Staatsbezeichnung Republik Singapur
Staatsform Parlamentarische Republik
Staatsoberhaupt Präsident Tony Tan Keng Yam (seit 2011)
Regierungschef Lee Hsien Loong (seit August 2004)
Wirtschaftsressort Hng Kiang Lim (Minister für Handel), S Iswaran (Minister für Industrie), Swee Keat Heng (Finanzminister)
Sprachen Landessprachen: Englisch, Chinesisch (Mandarin), Malaiisch, Tamil; Verwaltungssprache: Englisch
Analphabetenrate 3% (M: 1,3%, W: 4,6%) (2017, Department of Statistics)
Maße und Gewichte Metrisches System
Währung Singapur-Dollar (SGD) (1 SGD = 100 Cent)
Haushaltsjahr 1. April bis 31. März
Zeitverschiebung MEZ +7 / MESZ +6
Landfläche 719,2 qkm (2017, Department of Statistics)
Einwohnerzahl 5,61 Millionen inklusive Non-Residents (2017, Department of Statistics)
Bevölkerungsdichte 7.909 Einwohner/qkm (2016, Weltbank)
Bevölkerungswachstum 1,3% (2017, Department of Statistics)
Religionsgruppen 33,9% Buddhisten, 18,1% Christen, 14,3% Muslime, 11,3% Taoisten, 5,2% Hindus, 0,7% Anhänger anderer Religionen, 16,4% ohne Religionszugehörigkeit (2017, Department of Statistics)
Ethnische Zusammensetzung 74,3% Chinesen, 13,4% Malaien, 9,1% Inder, 3,2% andere Asiaten und Europäer (2017, Department of Statistics)
Wichtige Feiertage 1. Januar (Neujahr), chinesisches Neujahr mit wechselndem Datum nach dem Mondkalender, 9. August (Unabhängigkeitstag, 1965), christliche Feiertage, muslimische und hinduistische Feste mit wechselndem Datum
Entstehung des BIP Handel/Gaststätten/Hotels 16,4%, Bergbau/ Industrie 19,6%, Finanzdienstleistungen 15,8%,Transport/Logistik/Kommunikation 11,8%, Finanzen/Versicherung 13,1%, Bau 5,0%, Land-/Forst-/Fischwirtschaft 0,0%, Sonstige 18,3% (2016, Department of Statistics)
Verwendung des BIP Privater Verbrauch 36,9%, Außenbeitrag 26,1%, Bruttoanlageinvestitionen 25,1%, Staatsverbrauch 11,4%, Bestandsveränder-ungen 0,5% (2016, Department of Statistics)
Wichtige Agrarerzeugnisse Geflügel 48,0 Mio. Stück, Schweine 0,334 Mio. Stück, lokale Fischproduktion 7.659 t, Zierpflanzen 48 Mio. Stück, Orchideen 8 Mio. Stück, Gemüse 23.039 t (2016, Department of Statistics)
Wichtige Industriezweige Elektronik, Chemie, Biomedizin, Präzisionsgeräte, Transportmaschinen, Allgemeine Fertigung
Elektrizitätserzeugung 50 Mrd. kWh (2016, Department of Statistics)
Wirtschaftsabkommen mit Deutschland Doppelbesteuerungsabkommen (2006), Investitionsförder- u. -schutzvertrag (1975)
Handelsabkommen in Kraft AFTA, AANZFTA, ASEAN-China, ASEAN-Indien, ASEAN-Japan, ASEAN-Korea, Australien, China, Costa Rica, GCC-Singapore FTA, Indien, Japan, Jordanien, Neuseeland, Panama, Peru, Südkorea, Trans-Pacific SEP, USA
Internationale Organisationen UN, WTO, APEC, ASEAN, IMF

+ Positive Entwicklung der Halbleiter- und Präzisionsgeräteindustrie

+ Rekordbesucherzahlen im Tourismusgewerbe

– Politische Instabilität im Südchinesischen Meer bedroht wichtige Handelsroute

– Stagnierendes Wirtschaftswachstum

+ Hohe öffentliche Investitionen in nachhaltige Stadtentwicklung und Verkehrsplanung

+ Hohe Investitionen in Bildung und Forschung entfalten Magnetwirkung auf ausländische Talente

– Bedrohung durch islamistische Terroristen

– Alternative Handelsrouten gefährden Hafen als wirtschaftliches Standbein

Politischer Überblick

Der südlich der malaiischen Halbinsel gelegene Insel- und Stadtstaat Singapur gehört mit einer Fläche von 719,2 Quadratkilometern zu den 20 kleinsten Staaten weltweit und ist flächenmäßig der kleinste Staat in Südostasien. Trotz seiner geringen Größe und dem Mangel an natürlichen Rohstoffen ist es dem kleinen südostasiatischen Staat in den letzten 50 Jahren geradezu vorbildhaft gelungen, sich zu einem prosperierenden Handels- und Finanzdienstleistungszentrum sowie einem der wohlhabendsten nicht-ölexportierenden Länder weltweit zu entwickeln.
Die Erfolgsgeschichte Singapurs ist eng mit der seit der Unabhängigkeit regierenden People’s Action Party (PAP) verbunden. Die mittlerweile dritte Generation von PAP-Parteiführungskadern um den aktuellen Ministerpräsidenten Lee Hsien Loong, dem Sohn des mittlerweile verstorbenen Staatsgründers Lee Kuan Yew, leitet bislang erfolgreich und umsichtig die Geschicke des Stadtstaates.

Die PAP schuf nach der Unabhängigkeit im Jahr 1965 die politisch-institutionelle Grundlage für die heutige wirtschaftspolitische Leistungsfähigkeit Singapurs. Dazu zählen gesicherte Eigentumsrechte, eine leistungsfähige Bürokratie, eine im regionalen Vergleich geradezu verschwindend geringe Korruption, politische Stabilität, eine exzellente Infrastruktur, hohe privatwirtschaftliche Investitionen, zurückhaltende Staatsinterventionen und eine gut ausgebildete Bevölkerung samt exzellenten Bildungsinstitutionen.

Eine wesentliche Rolle bei der politischen Stabilisierung Singapurs in den vergangenen Jahrzehnten spielte neben dem 1955 eingeführten staatlichen Sozialversicherungsplan (Central Provident Fund - CPF) die Schaffung von staatlich gefördertem Wohnraum durch die Wohnungsbaugenossenschaft (Housing & Development Board – HDB). Innerhalb weniger Jahre gelang es dem singapurischen Staat, dringend benötigten Wohnraum für mehr als 100.000 Menschen bereitzustellen und damit gleichzeitig die soziale Frage zu entschärfen. Mit den Einlagen aus dem CPF können die Bewohner Singapurs die vom Staat subventionierten Wohnungen kaufen und damit in den Besitz von begehrtem Wohnraum in dem Inselstaat gelangen. Mittlerweile wohnen mehr als 80 Prozent der Staatsbürger Singapurs in den von der Wohnungsbaugesellschaft errichteten Immobilien. Die Verteilung des Wohnraums in den einzelnen Einheiten spiegelt den multiethnischen Charakter der Bevölkerung Singapurs wider. In jeder HDB-Siedlung beträgt der Anteil der chinesischen Bewohner 74 Prozent, der malaiischen 14 Prozent und der indischen ...

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