Wirtschaftshandbuch

Vietnam-Artikel von Prof. Dr. Andreas Stoffers

Offizielle Staatsbezeichnung Sozialistische Republik Vietnam (Cong Hoa Xa Hoi Chu Nghia Viet Nam)
Staatsform Volksrepublik, Einparteiensystem
Staatsoberhaupt Präsident Tran Dai Quang (seit April 2016)
Regierungschef Premierminister Nguyen Xuan Phuc (seit April 2016)
Wirtschaftsressorts Nguyen Chi Dung (Minister für Planung und Investitionen), Tran Tuan Anh (Minister für Industrie und Handel), Dinh Tien Dung (Finanzminister), Le Minh Hung (Staatsbank Gouverneur)
Sprachen Landessprache: Vietnamesisch; Handelssprache: Englisch
Analphabetenrate 5,5% (M: 3,7%, W: 7,2%) (2015, UNESCO)
Maße und Gewichte Metrisches System
Währung Dong (VND)
Haushaltsjahr Kalenderjahr
Zeitverschiebung MEZ +6 / MESZ +5
Landfläche 333.970.0 qkm (2016, Weltbank)
Einwohnerzahl 92,7 Mio. (2016, Weltbank)
Bevölkerungsdichte 299 Einwohner/qkm (2016, Weltbank)
Bevölkerungswachstum 1,1% (2016, Weltbank)
Religionsgruppen Buddhisten ca. 50%, Katholiken 8%-10%, Hoahao 1,5%-4%, Caodai 1,5%-3%, Protes-tanten 1,5%-2%, Muslime 0,1% (2008, USDS)
Ethnische Zusammensetzung 54 Ethnien: Viet (Kinh) 86,2%, Tay 1,9%, Thai 1,8%, Khmer 1,5%, Muong 1,5%, Chinesen/Hoa 1,1%, Hmong 1,1%, Nung 1,1% (2014, GIZ)
Hauptstadt Hanoi 7,21 Millionen (2015, GSO VN)
Wichtige Städte Ho-Chi-Minh-Stadt (8,25 Mio.), Hai Phong (1,96 Mio.), Da Nang (1,03 Mio) (2015, GSO VN)
Wichtige Feiertage 2. September (Unabhängigkeitstag), Januar/Februar (Tet, Neujahrsfest), 30. April (Eroberung Saigons), 1. Mai (Tag der Arbeit)
Entstehung des BIP Primärsektor: 18,9%, Sekundärsektor: 37,0%, Tertiärsektor: 44,2% (2015, ADB)
Verwendung des BIP Privater Verbrauch: 68,0%, Bruttoanlagen-investitionen: 27,7%, Staatsverbrauch: 6,3%, Außenbeitrag: 0,8%, Statistische Abweichung: -2,8% (2014, ADB)
Wichtige mineralische und fossile Rohstoffe Erdgas: 10,2 Mrd. cbm, Erdöl: 17,8 Mio. t, Kohle: 41,2 Mio. t (2014, BP); Zement: 61 Mio. t, Kalk: 0,8 Mio. t, Phosphate: 2,7 Mio. t, Eisenerz: 4,4 Mio. t, Salz: 0,8 Mio. t, Bauxit: 0,15 Mio. t (2014, USGS)
Wichtige Agrarerzeugnisse Reis (roh): 44,25 Mio. t, Zuckerrohr: 20 Mio. t, Maniok: 9,7 Mio. t, Mais: 5,1 Mio. t, Kokosnüs-se: 1,3 Mio. t, Fisch: 6,1 Mio. t (2013, FAO); Schweinefleisch: 3,2 Mio. t, Bananen: 1,6 Mio.t, Kaffee: 1,3 Mio. t (2012, FAO)
Wichtige Industriezweige Nahrungsmittelproduktion, Herstellung metallischer Produkte (ohne Maschinen), Herstellung nicht-metallischer mineralischer Produkte, Bergbau, Chemische Industrie
Elektrizitätserzeugung 64,31 TWh; (2015, GIZ)
Wirtschaftsabkommen mit Deutschland Investitionsförder- und -schutzvertrag (1998), Doppelbesteuerungsabkommen (1995), Strategische Partnerschaft (2011)
Handelsabkommen in Kraft AFTA, ASEAN-Australien/Neuseeland (AANZFTA), ASEAN-China, ASEAN-India, ASEAN-Japan, ASEAN-Korea, Chile-Vietnam, Japan-Vietnam, Korea-Vietnam, US ASEAN TIFA, US Vietnam TIFA, Vietnam-Eurasian Economic Union FTA
Internationale Organisationen UN, WTO, IMF, APEC, ASEAN

+ Weiterhin politische Stabilität

+ Bessere Ausschöpfung der Wertschöpfungsketten

+ Steigende ausländische Direktinvestitionen

+ Massiv steigender privater Konsum

– Schwelender territorialer Konflikt mit China im Südchinesischen Meer

– Versuch der Meinungskontrolle im Internet

– Entflechtung unprofitabler Staatskonzerne gestaltet sich langsam

– Fachkräftemangel nach wie vor spürbar

+ Stabilität des Systems

+ Keine Abkehr vom Weg der wirtschaftlichen Liberalisierung

+ FTA mit der EU und Trans Pacific Partnership (TPP) sorgen für gute wirtschaftliche Perspektiven

+ Ausweitung der Kooperation innerhalb ASEAN (AEC 2015)

+/– Konkurrenzsituation innerhalb ASEAN verstärkt sich

+/– Risikofaktoren Urbanisierung, Infrastruktur und Umweltschutz

– Steigende Lohnkosten können mittelfristig zum Wettbewerbsnachteil werden

– Lösung des Territorialkonfliktes mit China ist nicht absehbar

Politischer Überblick

Seit der wirtschaftlichen Öffnung 1986 ("Doi Moi" = "Erneuerung" genannt) beein­druckt Vietnam durch einen fortgesetzten Aufstieg. Prognosen zufolge soll Vietnam im Jahr 2050 zu den 25 größten Volkswirtschaften der Welt zählen. Der Schritt zum Upper-Middle-Income-Country mit einem Durchschnittsprokopfeinkommen von über 7.000 US-Dollar soll bereits 2035 vollzogen sein. Laut der PWC-Studie „The World in 2050“ wird Vietnams BIP pro Kopf dank des positiven wirtschaftlichen Klimas im Inland und auf den Weltmärkten in den nächsten Jahrzehnten mit mehr als fünf Prozent pro Jahr wachsen.

Das Land ist politisch nach wie vor ein Einparteienstaat. Die Kommunistische Partei (KPV) kontrolliert alle staatlichen Institutionen, einschließlich Bürokratie, Regierung und Armee. Höchstes Lenkungsorgan ist das 16-köpfige Politbüro, ernannt vom Zentralkomitee der KPV (175 ständige Mitglieder), welches alle fünf Jahre vom Parteikongress (zuletzt 2016) gewählt wird. Wechsel in der Führung finden in der Regel während dieser Kongresse statt. Die aus 496 Abgeordneten bestehende Na­tionalversammlung wird alle fünf Jahre gewählt (zuletzt am 22. Mai 2016). So gut wie alle Abgeordnete sind von der „Vaterlandsfront“ nominiert, einer durch die KPV kontrollierten Dachorganisation sämtlicher Massenorganisationen des Landes.

Die drei wichtigsten Parteiführer sind die jeweils im April 2016 neu gewählten Premierminister Nguyen Xuan Phuc (Reformflügel der Partei) und Präsident Tran Dai Quang (konservativer Parteiflügel) sowie der im April dieses Jahres wieder­gewählte und zwischen beiden Richtungen vermittelnde KP-Generalsekretär Nguyen Phu Trong. Der kürzlich erfolgte Wechsel vom ...

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