Das Tor zur Welt

„Hamburg als Tor zur Welt“ erschien dem deutschen Außenminister der geeignete Ort, um am 24. März 2017 eine sehr wichtige Neuigkeit zu verkünden.

01.07.2017

Von Dr. Michael Borchmann

„Sprachliche und kulturelle Kompetenz, Regionalwissen und Regionalerfahrungen sind im Umgang mit Asien von entscheidender Bedeutung. Deshalb habe ich entschieden, diese Kompetenzen im Auswärtigen Amt zu stärken und in einer neuen Asienabteilung zu bündeln.“ Dies war die zentrale Botschaft, die Sigmar Gabriel beim 97. "Liebesmahl" des Ostasiatischen Vereins im Rathaus der Freien und Hansestadt Hamburg überbrachte.

Die Botschaft von Außenminister Gabriel ist nicht lediglich die Verkündung einer internen Organisationsänderung. Die Schaffung einer eigenen „Asienabteilung“ bedeutet dass der Stellenwert der deutschen Beziehungen zu den asiatischen Staaten ähnlich herausgehoben werden soll wie sich das bisher nur bei den Beziehungen zu den EU-Mitgliedstaaten in einer Europaabteilung widergespiegelt hat. Was den Ort der Verkündung betriff, verwies Gabriel auf die große Bedeutung Hamburgs für die deutsch-chinesischen Beziehungen. Zur Erinnerung: So heißt die Elbmetropole auf Chinesisch “Han Bao”, was übersetzt so viel bedeutet wie die “Burg der Chinesen”. Dieser Ruf kommt nicht von ungefähr: In Hamburg sind nach Angaben der Handelskammer Hamburg mehr als 550 chinesische Unternehmen angesiedelt. Die Hansestadt gilt als Chinas Tor zum europäischen Markt und umgekehrt auch als idealer Brückenkopf für den chinesischen Markt – mehr als 700 Hamburger Unternehmen sind in der Volksrepublik aktiv.

Gabriel betonte: die Zukunft Europas, das transatlantische Verhältnis, die Krisen an den Grenzen Europas, in der Ukraine, in Syrien – all diese Themen beschäftigten Deutschland außenpolitisch enorm. Und zu Recht. Aber Asien dürfe deswegen nicht aus dem deutschen Blickfeld geraten. Denn er sei überzeugt: Asien sei eine Schlüsselregion für die Zukunft Deutschlands und Europas. Die Bundesregierung wolle deshalb die Beziehungen zu Asien intensivieren und sie strategischer gestalten. Um seine Ausführungen und seine Entscheidung zu unterstreichen, wartete der Minister auch mit Zahlenbeispielen auf: Asien sei die Heimat der weltgrößten Wirtschaften, der am schnellsten wachsenden Märkte. In Asien lebten 4½ Milliarden Menschen, es sei damit die bevölkerungsreichste Region der Welt. In Asien werde die Hälfte aller Güter, die weltweit verschifft werden, be- oder entladen. Neun der zehn größten Container-Häfen seien in Asien.

Schließlich mahnte der Außenminister, dass man in Deutschland von manchen von manchen Klischees der Vergangenheit Abschied nehmen, „an einigen Stellen gründlich nachjustieren“ müsse. Das gelte ganz sicher auf der wirtschaftlichen Ebene. Über Jahrzehnte hinweg habe man Asien, allen voran China, als Absatzmarkt für eigene Waren verstanden, als preiswerte Produktionsstätten.

Das sei nicht völlig verkehrt – Volkswagen verkaufe zum Beispiel mittlerweile 40 % seiner Autos allein in China. Aber China sei inzwischen längst auf dem Weg zum Technologieexporteur. Außenminister Gabriels Botschaft verrät Tatkraft und Entscheidungsfreude und all diejenigen in Deutschland, die sich näher mit Asien und insbesondere auch China befassen, können über Gabriels Entscheidung nur tiefe Genugtuung empfinden. Wie sagte der Minister doch auch: „Asien ist eine Schlüsselregion für unsere Zukunft hier in Europa. Denn die Wege zur Lösung unserer globalen Herausforderungen verlaufen durch Asien.“

 

<small>Ein Beitrag des HanBao Magazins und der Gesellschaft für Deutsch-Chinesische Verständigung e.V.</small>