Mutli - Stakeholder - Partnerschaften gegen Fachkräftemangel

Ergiebige Märkte, große Potentiale und entdeckungshungrige deutsche Firmen – der Raum Asien-Pazifik ist scheinbar ein natürlicher Wachstumsmotor. Dass er oft nicht seine volle Kraft entfalten kann, hängt stark mit dem Mangel an qualifizierten Fachkräften zusammen.

Nicht nur bei „Neuentdeckungen“ wie Myanmar oder vergleichsweise kleinen Republiken wie Osttimor – auch in Ländern, mit und in denen deutsche Unternehmen schon lange Erfahrungen und Erfolge haben, ist die Suche nach den richtigen Mitarbeitern ein zentrales Thema. In Indien oder Thailand haben Unternehmen aufgrund des Fachkräftemangels den Markteintritt oder das geplante Wachstum nicht bewältigen können. Deutsche Fachkräfte sind unabdingbar beim Aufbau eines Standortes oder eines neuen Programmes – ihr dauerhafter Einsatz an den Zielmärkten ist aber weder ressourceneffizient, skalierbar noch nachhaltig.

Überraschende Perspektive

Der Blick auf die Herkunft dieses Textes mag überraschen – welchen Beitrag kann eine deutsche Nichtregier-
ungsorganisation (NRO) bei der Bewältigung dieser Herausforderung leisten? Typische Partner für Unterneh-
men sind hier doch ihre Verbände, die Kammern oder die Organe der staatlichen Entwicklungszusamenar-
beit. Don Bosco Mondo, 1980 als Initiative im ehemaligen Regierungsviertel in Bonn gegründet, heute eine weltweit tätige NRO, hat ein besonderes Netzwerk (zu dem natürlich auch die oben genannten Akteure ge-
hören).

Der große Unterschied: Die Partner vor Ort sind die Salesianer Don Boscos und die Don Bosco Schwestern, die in mehr als 130 Ländern für benachteiligte und marginalisierte Kinder und Jugendliche tätig sind. In über 700 Berufsbildungszentren werden rund 225.000 junge Menschen beruflich ausgebildet. Die Salesianer vermitteln in fast 7.000 Einrichtungen ca. 16 Millionen jungen Menschen Wissen, Können und Orientierung. Der katholische Priester Giovanni Bosco gründete den Orden 1862 in Turin und sendete schon früh Mitglie-
der in andere Länder mit ähnlichen Herausforderungen.

Die Don-Bosco-Pädagogik ist überraschend modern: Sie steht für fürsorgliche Zuwendung und professionelle Begleitung; vermittelt jungen Menschen neben dem Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten auch Werte wie Kreativität, Teamgeist, Zuverlässigkeit, Toleranz und Respekt. Werte, die auch jeder Arbeitgeber zu schätzen weiß.

Fokus Unternehmenskooperation

Berufliche Bildung braucht die enge Zusammenarbeit mit Unternehmen. Dabei geht es um den konkreten Ausbildungsbedarf der Märkte, praxisnahe Ausbildungs-
gänge, Firmenpraktika und einen guten Arbeitsplatz. Keine Überraschung also, dass Don Bosco Mondo den spezialisierten Bereich Unternehmenskooperation implementiert hat. Berufliche Bildung kann den Fachkräftemangel der Wirtschaft bekämpfen und gleichzeitig dem NRO-Kernziel der Armutsbekämpfung dienen.

Für marginalisierte Jugendliche - unabhängig von Religion, Nationalität und Geschlecht. Nach den Grundsätzen der Ausrichtung am Arbeitsmarkt und die Verbindung zur lokalen Wirtschaft, also einfachsten nonformalen Kurzkursen über individuelle Weiterbildungen für Firmen bis zu staatlich anerkannten Berufsausbildungen.

Succes Stories

Auf den Philippinen ist Don Bosco Mondo schon lange aktiv, besonders nachhaltig als Partner des Automobilherstellers Porsche. Der Bedarf an Fachkräften im After Sales der Märkte in Middle East motivierte das Unternehmen zu dieser Kooperation: Seit 2008 werden jährlich sozial benachteiligte Jugendliche zu Service-Mechatronikern ausgebildet. Die Lerninhalte werden kompetenzorientiert in drei Stufen vermittelt: Eine zehnmonatige Basisausbildung am Don Bosco Technical Institute, nach der die jungen Techniker später überall einsetzbar sind – über den Bedarf von Porsche hinaus.

Anschließend qualifizieren sich ausgewählte Auszubildende in zwei weiteren Modulen speziell für Porsche weiter. Aus ihnen werden Fachkräfte, die mit Stolz ihre Familien ernähren. So profitieren die jungen Menschen, die Kunden und die Porsche-Handelsorganisation von dem Programm.

"Erfolg darf multipliziert werden."

Ein weiteres Projekt, das ganz andere Voraussetzungen hatte, aber ebenso gute Erfolge aufweisen kann, ist die Grohe Dual Tech am St. Joseph’s Industrial Training Institute, einem Don Bosco-Institut, die 2009 in Mumbai- Kurla gegründet wurde. Auch dort sollte drängender, konkreter Bedarf gedeckt werden. In Indien fehlten Installateure, die in der Lage waren, die hochwertigen Sanitärprodukte fachgerecht einzubauen. Um das zu ändern, folgt dort nach einer Grundlagenausbildung die Qualifizierung zum Vorarbeiter. Ohne staatliche Gelder initiiert, wurden 2014 beispielweise über 140 junge Menschen ausgebildet, die auf dem Arbeitsmarkt her-
vorragende Perspektiven haben. Erfolg darf multipliziert werden. Grohe erweitert die Akademie in Mumbai und richtet neue Ausbildungsstätten in Neu-Delhi und auf den Philippinen ein; diesmal mit Unterstützung der DEG.

Ein Beispiel aus dem Jahr 2014 zeigt, wie Wirtschaft, Staat und Zivilgesellschaft von Anfang an Hand in Hand gehen können. Lorch Schweißtechnik GmbH und die Tochtergesellschaft Lorch India Welding Products Pvt. Ltd. haben in ein neues Kompetenz-Center samt Schulungszentrum und Ausbildungsstätte investiert, gefördert von der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft mbH (DEG) im Rahmen des develoPPP.de-Programmes. Mit der offiziellen Einweihung des neuen Stand-
orts in Pune hat Lorch India neben Kolkatta eine zweite dauerhafte Präsenz im Land. Pune ist ein Zentrum für Automobilhersteller, deren Zulieferer und die verarbeitende Industrie.

Von diesem Stützpunkt aus bietet Lorch Beratungen, Vorführungen, Service und Ersatzteilversorgung auf höchstem Niveau. Dem Kompetenz-Center ist die Lorch Don Bosco Welding Technology School of Excellence angeschlossen. Um auf dem neuesten technologischen Stand auszubilden, wurde das Zentrum mit 20 vollausgestat-
teten Schweißkabinen, neuesten Maschinen und Werkzeugen ausgerüstet. Das Ausbildungsengagement ist für Lorch ein zentraler Bestandteil des gesellschaftlichen Engagements des Unternehmens. So werden entwicklungsrelevante Impulse gegeben, und junge Menschen aus armen und gesellschaftlich benachteiligten Schichten bekommen Zugang zu einer qualifizierten Ausbildung und damit zu einem Arbeitsplatz.

Zusätzlich möchte Lorch als einer der technologischen Marktführer das Qualitätsbewusstsein stärken und zu einer verbesserten Wahrnehmung des Berufsbilds Schweißer beitragen.

Dr. Susanne Käthe Franke

Dr. Susanne Käthe Franke arbeitete lange Jahre in der freien Wirtschaft, Schwerpunkte waren Projektleitung in der Kommunikation und anschließend Projekt-, Abteilungs- und Bereichsleitung in der IT-Branche. In der Nichtregierungs-
organisation Don Bosco Mondo e.V. baute sie den Bereich Unternehmenskooperation mit auf.

Sie ist Account Managerin für Partner der Wirtschaft und der Entwicklungszusammenarbeit. Der Fokus ihrer Arbeit sind Consulting und Projektentwicklung.