Erfolgreiche Internationalisierung: „Die eigene Komfortzone verlassen“


Herr Dörrenberg, im Jahr 2014 haben Sie in der Wirtschaftspresse eine hohe Aufmerksamkeit erfahren, weil Sie als erster Chef einer großen deutschen Firma Ihren persönlichen Sitz dauerhaft nach Singapur verlegt hatten. Inzwischen sind Sie zurück in Bielefeld. Hat sich der damalige Schritt ausgezahlt? 

Eduard Dörrenberg: Ich bin seinerzeit nach Asien gegangen, einerseits um den Vertrieb selber aufzubauen, da ich das Gefühl hatte: Da muss ich persönlich vor Ort sein. Auch, weil es Wertschätzung signalisiert, wenn der Chef nicht nur nach Asien reist, sondern dort permanent präsent ist. Andererseits galt es auch, nach innen zu signalisieren, dass ich es mit der Internationalisierung sehr ernst meine. Vieles konnte deutlich beschleunigt werden und hat uns neue Möglichkeiten eröffnet. Das hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, die eigene Komfortzone zu verlassen. Ich kann es Entscheidern daher nur dringend empfehlen, selbst nach Asien zu gehen.

Das Hauptprodukt in Ihrem Portfolio ist die Haarpflegereihe Alpecin, die einen starken Akzent auf Haarwachstum und Haarausfall-Vorbeugung legt. Mit dieser Ausrichtung sind Sie speziell in Asien sehr erfolgreich. Worauf führen Sie diesen Erfolg zurück, und gibt es Unterschiede in den dortigen Einzelmärkten?

Eduard Dörrenberg: Wir haben bei Alpecin einen Exportanteil von rund 60 Prozent. Insgesamt geht schon heute rund jedes dritte Coffein-Shampoo nach Asien. Mittlerweile haben wir Teams in Singapur, Shanghai und Korea aufgebaut, denn eines ist auch klar: Asien ist nicht gleich Asien. Wir müssen die Dinge sehr smart angehen, um uns auch dort als Asterix gegen den Wettbewerb seitens der großen Multikonzerne zu behaupten. Da ist es mir sehr wichtig, die einzelnen Märkte gut und individuell zu bedienen. Insgesamt sind wir in Asien wahrscheinlich so erfolgreich, weil bei aller Individualität der Märkte für viele gleichermaßen gilt: Schwarzes volles Haar ist bei den Männern ein Statussymbol.

Ihr außerordentlicher Erfolg ist anderen Unternehmen sicher nicht unbemerkt geblieben. Mit welcher Konkurrenz haben Sie es in Asien-Pazifik zu tun, gibt es Nachahmer? Welchen Stellenwert hat das Label „Made in Germany“ im Kosmetikbereich?

Eduard Dörrenberg: German Engineering ist nach wie vor ein wesentliches Erfolgskriterium. Darum ist es für uns überaus wichtig, die Produkte an unserem Standort in Bielefeld herzustellen. So können wir wirklich von „ Made in Germany“ sprechen. Das wissen die Männer vor Ort zu schätzen und Qualität setzt sich am Ende durch. Nachahmer haben es in unserem Bereich generell sehr schwer. Wir sind das bekannte Original der Coffein-Shampoos und haben extrem viel Forschung zum Thema Haarausfall betrieben. Unsere Datenlage ist gerade erst wieder von einem Team britischer Forscher bestätigt worden. Das macht es für Nachahmer nicht leichter.


Eduard R. Dörrenberg ist geschäftsführender Gesellschafter der Dr. Wolff-Gruppe.