Adelphi: Newsticker Japan (Juni & Juli 2022)

Energiepolitische und -wirtschaftliche Informationen

15.08.2022

Japanisches Umweltministerium richtet ein Vorbereitungsbüro für die Unterstützung von Unternehmen bei der Dekarbonisierung ein

Das japanische Umweltministerium plant im Oktober 2022 neue Fördermittel bereitzustellen, um Unternehmen bei der Dekarbonisierung zu unterstützen. Als erster Schritt wurde hierfür am 1. Juni ein Vorbereitungsbüro eingerichtet, welches die administrative Vorbereitung bis Oktober übernehmen soll. Der Fonds soll dazu dienen, Projekte zu unterstützen, die zwar wirtschaftliches Potenzial haben, aber aufgrund fehlender Präzedenzfälle oder einem geringen Bekanntheitsgrad Schwierigkeiten bei der Beschaffung privater Finanzmittel haben. Förderfähig sind Projekte, die z.B. in den Bereichen erneuerbare Energien oder energieeffiziente Technologien angesiedelt sind und zur Verwirklichung einer kohlenstofffreien Gesellschaft beitragen. Zu den Finanzierungsmethoden gehören Kapitalbeteiligungen, Mezzanin-Finanzierungen und Kreditbürgschaften. Die Unterstützung wird aus steuerlichen Investitionsfonds und privaten Mitteln finanziert. Ziel ist es, zunächst durch Staatsinvestitionen in Höhe von 20 Mrd. Yen (ca. 142 Mio. Euro) Dekarbonisierungsprojekte in einer Größenordnung von 100 Mrd. Yen (ca. 708 Mio. Euro) anzustoßen und durch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle weitere Investitionen auszulösen.

Quellen:https://www.env.go.jp/press/111126.html, https://www.kankyo-business.jp/news/032118.php

Technische Zusammenarbeit zwischen der EU und Japan bei grünen Wasserstoffversorgungsnetzen

Die Europäische Union (EU) will eine Lieferkette für aus erneuerbaren Energien gewonnenem grünen Wasserstoff aufbauen. Die japanische Wirtschaftszeitung Nikkei berichtete am 1. Juni, dass bis Ende 2022 eine Absichtserklärung zur technischen Zusammenarbeit im Bereich der Wasserstofftechnologien zwischen der Europäische Union (EU) und Japan unterzeichnet werden soll. Ziel ist es, die Produktionskosten zu senken und die Abhängigkeit von russischen fossilen Brennstoffen zu verringern. Bereits am 25. März hatten EU-Energiekommissarin Kadri Simson und Wirtschaftsminister Koichi Hagiuda bei einem bilateralen Treffen in Brüssel eine stärkere Zusammenarbeit im Energiebereich angekündigt. Auch bei 28. EU-Japan Gipfeltreffen am 12. Mai in Tokyo wurde die Notwendigkeit einer engen Partnerschaft zwischen der EU und Japan bekräftigt. Hier trafen sich Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission, und EU-Ratspräsident Charles Michel mit dem japanischen Premierminister Fumio Kishida. Auch die EU-Japan Green Alliance soll weiterhin implementiert werden, mit einem Fokus auf Kooperation in den Bereichen sauberer Wasserstoff, nukleare Sicherheit, erneuerbare Energien und Kohlenstoffrecycling.

Quellen: https://www.nikkei.com/article/DGKKZO61310950R30C22A5TB2000/
https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_22_3131
https://www.consilium.europa.eu/en/meetings/international-summit/2022/05/12/
https://ec.europa.eu/info/news/eu-and-japan-underline-close-cooperation-energy-issues-2022-mar-25_en

G7 verpflichten sich zum Kohleausstieg

Das G7-Treffen der Klima-, Energie- und Umweltminister, das am 26. und 27. Mai in Berlin stattfand, endete mit dem Beschluss über den Ausstieg aus der Kohleverstromung. Von japanischer Seite nahmen unter anderem die japanischen Vizeminister Kenichi Hosoda des Ministry of Economic, Trade and Industry in Japan (METI) und Toshitaka Ooka des Ministry of the Environment (MOE) teil. In dem am Ende des Treffens verabschiedeten Konsensdokument wird die Dekarbonisierung des Stromsektors bis 2035 gefordert. Um das nationale Ziel von Netto-Null bis 2050 erreichen zu können, sollen die Länder konkrete und zeitnahe Schritte zum Ausstieg aus der Kohleverstromung unternehmen. Bei vorherigen G7-Treffen hatte sich Japan bislang gegen einen Kohleausstieg ausgesprochen. Aufgrund der Zukunftsplanung Japans und der USA wurde bei dem Treffen lediglich die zukünftige Verpflichtung, aber kein genauer Zeitplan für den Kohleausstieg festgelegt. Japans aktueller Basic Energy Plan positioniert Kohle als wichtigen Energieträger und besagt, dass im Jahr 2030 Kohle einen Anteil von 19% am Strommix haben soll. Tatsächlich wurden kürzlich Maßnahmen zur Verlängerung der Lebensdauer von Kohlekraftwerken ergriffen, etwa durch die Nutzung von Technologien wie die Mitverbrennung von Wasserstoff und Ammoniak. Auf einer Pressekonferenz am 31. Mai erklärte Wirtschaftsminister Koichi Hagiuda, dass die G7-Staaten die Forderungen Japans in vollem Umfang anerkannt haben. Es gebe keinen Konflikt mit dem Zeitplan für die Kohlenstoffneutralität, wie er von Japan aufgestellt worden sei. Vielmehr sei nun das Umfeld vorhanden, um das Klimaziel bis 2050 zu erreichen. Mit Blick auf die Kohleverstromung bekräftigte er, dass Japan beabsichtige, den Anteil der Kohleverstromung unter der Grundvoraussetzung einer stabilen Versorgung zu verringern und die Dekarbonisierung des Strommarktes bis 2035 in seiner Innenpolitik zu berücksichtigen. Eine Angabe der konkreten Aufteilung von Energiequellen im Strommix könne jedoch noch nicht angegeben werden.

Quellen:https://www.kikonet.org/info/press-release/2022-05-28/G7-Env-Minister
https://www.meti.go.jp/press/2022/05/20220530005/20220530005-4.pdf
https://jp.reuters.com/article/g7-energy-japan-idJPKBN2NH01V
https://www.g7germany.de/resource/blob/974430/2044350/84e380088170c69e6b6ad45dbd133ef8/2022-05-27-1-climate-ministers-communique-data.pdf?download=1

Den vollständigen Bericht finden Sie hier und unter Downloads.

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