Seminar zu Ausschreibungen der ADB

Ein Rückblick auf die Veranstaltung "Geschäftschancen für deutsche Unternehmen – Ausschreibungen der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB)" in München.

14-12-2017

Der enorme Investitionsbedarf für den Infrastrukturausbau im asiatisch-pazifischen Raum steigt kontinuierlich stark an. Die ADB vergab im Jahr 2016 Aufträge im Gesamtwert von rund 13,3 Milliarden US-Dollar im Rahmen von Projekten ihrer Mitgliedsstaaten. Für deutsche mittelständische Exportunternehmen wie etwa Ingenieurs- und Technologie-unternehmen eröffnen sich hieraus zum Beispiel in den ASEAN-Staaten interessante, aber noch zu wenig bekannte Geschäftschancen. Nach einem ersten gut besuchten Seminar zu ADB-Ausschreibungen im Herbst 2016 für den norddeutschen Mittelstand in Hamburg, luden das EZ-Scout Programm und der OAV – German Asia-Pacific Business Association erneut, diesmal in Kooperation mit seinem Mitgliedsunternehmen der HypoVereinsbank sowie der Germany Trade & Invest (GTAI) und einer Reihe von IHKs aus Süd- und Südwestdeutschland, am 9. November in die Zentrale der HypoVereinsbank nach München ein. Dort informierten sich rund 35 mittelständische Unternehmen eingehend über Beschaffungsrichtlinien und - bedarf von ADB-finanzierten Projekten.

In seinem Eingangsvortrag wies Kurt Birkenmeier, Senior Advisor to the Board der H.P. Gauff Ingenieure GmbH & Co. KG in Frankfurt, auf die überragende Rolle der ADB als multilaterale Finanzierungsinstitution von Großprojekten in Höhe von bis zu dreistelligen Millionenbeträgen in den ASEAN-Staaten für die kommenden 15 Jahre hin. Die sich aus diesen Megaprojekten eröffnenden Geschäftschancen liegen für deutsche Unternehmen nicht in deren Federführung, die haben seit geraumer Zeit asiatische Konzerne und Konsortien inne, sondern in der Zulieferung von Komponenten. Zugang zu Geschäftschancen bei asiatischen Megaprojekten eröffnen sich deutschen Unternehmen durch die Beteiligung an Ausschreibungen von Projekten, die von der ADB finanziert werden.

Anschließend informierte Walter Poick, deutschsprachiger Direktor der Beschaffungsabteilung der ADB in Manila, über die Entwicklungsbank und ihre neue, seit April 2017 gültige, Beschaffungspolitik, deren bisherige Grundsätze um Qualität und Preis-Leistungs-Verhältnis ergänzt wurden. Er gab einen Überblick über Ausschreibungen zu Consulting-Dienstleistungen sowie zu Güterlieferungen und Projekte der ADB-Mitgliedsstaaten. Die Teilnehmer erhielten darüber hinaus eine sektorengegliederte Übersicht der in Vorbereitung befindlichen ADB-Projekte in den ASEAN Staaten. In seiner umfassenden und praxisnahen Präsentation gab Herr Poick Hinweise sowohl zu strategischen Überlegungen als auch zu Anforderungen bei der Angebotsvorbereitung. Gleichzeitige warnte er deutsche Unternehmen davor sich auf ihren Technologievorteil zu verlassen und die in Asien so wichtigen guten Kontake für erfolgreiche Geschäftsabschlüsse zu unterschätzen. Die Chancen deutscher Unternehmen seien insgesamt als gut einzuschätzen, da die angebotene Qualität bei der Beurteilung des Angebots ein Gewicht von rund 90 % ausmache und somit auch Angebote aus dem höheren Preissegment sehr aussichtsreich seien.

Kirsten Hungermann, Bereichsleiterin Entwicklungszusammenarbeit & Öffentliche Aufträge der GTAI in Bonn, stellte das Angebot der GTAI für die deutsche Asienwirtschaft vor. Die GTAI bietet ein umfassendes Angebot an internationalen Ausschreibungs- und Projekthinweisen u.a. zu denen der ADB auf Deutsch an. Hinzu kommen gesamtwirtschaftliche Analysen und Prognosen, Länder- und Branchenanalysen für zahlreiche Länder sowie Rechts- und Zollinformationen.

Irene Port, Head of Trade Risk Management der HypoVereinsbank AG in München, stellte die Möglichkeit der Absicherung des kommerziellen Trade-Geschäfts mit Asien durch das ADB Trade Finance Program (TFP) vor, an das 72 Akkreditivbanken aus der asiatisch-pazifischen Region und 140 bestätigende Banken angeschlossen sind. Das TFP wird vor allem bei Geschäften mit Bangladesch, der Mongolei, Sri Lanka und Vietnam genutzt. Das Trade Finance Volumen der ADB mit einem Transaktionswert von 26.18 Milliarden US-Dollar liegt bei einem Vergleich mit vier weiteren multilateralen Finanzierungsinstitutionen an zweiter Stelle nach der International Finance Corporation. Seit Mitte 2016 kooperiert die Munich RE mit der ADB, um den Handel mit asiatischen Ländern zu steigern.

Ebenfalls auf großen Anklang stießen die anschließenden Berichte von zwei großen Mittelständlern, der Frankfurt School of Finance & Management in Frankfurt und der Lahmeyer International GmbH aus Bad Vilbel, zu ihren Erfahrungen über die Gewinnung und Durchführung von ADB-finanzierten Projekten.

Cédric Lützenkirchen, Projektmanager vom International Advisory Services der Frankfurt School of Finance & Management, die seit 25 Jahren Management-  und Finanzfachwissen an Finanzdienstleistungsinstitutionen in Entwicklungs- und Transformationsländern vermittelt, berichtete über Akquisition und Management von ADB-Projekten und ging dabei auch auf Ausschreibungen von kleinen Projekten unter einer Millionen US-Dollar ein.

Jörg-Peter Albrecht, Director Business Development – Hydropower & Water Resources der Lahmeyer International GmbH, dem seit 50 Jahren tätigen Anbieter von technischen und wirtschaftlichen Planungs- und Beratungsdienstleistungen, stellte seine Erfahrungen mit dem srilankischen Megaprojekt, Mahaweli Water Security Investment Program zum Bau von Wasserüberleitungen und Talsperren mit Volumen 2,5 Mrd. USD (800 M USD / 1. Phase + 1.700 M USD / 2. Phase) vor und plädierte für eine aktivere Rolle bei derart komplexen Projekten.

Im Namen des OAV bedankte sich Christine Falkenberg, EZ-Scout beim OAV, bei den Referenten und Gästen und verwies auf eine geplante Delegationsreise auf die Philippinen und nach Westbengalen im März 2018. Wie im Vorjahr ermöglichen der OAV und das EZ-Scout Programm in Kooperation mit der AHK Philippinen und AHK Indien interessierten Unternehmen den Besuch der „Business Opportunities Fair“ (BOF) 2018 der ADB. Diese Delegationsreise hat den Fokus Südasien, der Region, für die die ADB einen Investitionsbedarf von 5.477 Milliarden US-Dollar für die nächsten fünfzehn Jahren projiziert hat. Auf der zweiten Reiseetappe in Kolkata, Westbengalen, wird den Delegierten die Gelegenheit gegeben sich vorort zur wirtschaftspolitischen Situation, besonders zur Infrastruktur und deren Ausbau informieren zu können.

In der Mittagspause und bei einem Get-Together bei Kaffee und Kuchen ergriffen die Gäste die Chance des persönlichen Austausches untereinander und mit den Referenten. Besonders nachgefragt waren die vor Beginn und im Anschluss an die Veranstaltung arrangierten individuellen Einzelgespräche mit Walter Poick, Kirsten Hungermann und Kurt Birkenmeier.